Bestimmung von Laubgehölzen im Winterzustand


Der zweite Teil der Dendrologischen Übungen befaßt sich mit der Bestimmung und dem Erkennen von Bäumen und Sträuchern im Winterzustand. 
Eine Vielzahl von Merkmalen ermöglicht es, Gehölze auch im blattlosen Zustand zu erkennen. Zunächst soll eine Auswahl von Bestimmungsmerkmalen kurz vorgestellt werden.

Dazu ist es zweckmäßig, sich den schematischen 
Aufbau eines mehrjährigen Zweiges klar zu machen, denn manche Merkmale können nur an den "einjährigen" Teilen der Zweige beobachtet werden.


 
Ein wichtiges Kriterium ist die Anordnung der Knospen am Zweig. Sie entspricht der Blattstellung, da die Knospen während der Vegetationsperiode in den Achseln der Blätter gebildet werden. Sie entspricht gleichzeitig der Anordnung der Seitenzweige, da aus den Knospen unter anderem die Seitentriebe hervorgehen.
 
Man unterscheidet 4 verschiedene Möglichkeiten der Knospenanordnung:
 

gegenständig,

schief gegenständig,

wechselständig,

zweizeilig


Auch die Stellung der Knospen an den "einjährigen" Teilen der Zweige ist für eine korrekte Bestimmung wichtig. 
Deutlich gestielte Knospen sind relativ selten. Grauerle und Roterle sind Beispiele. 

Achtung: Kurztriebe mit endständiger Knospe ähneln auf den ersten Blick gestielten Knospen. 

Ob eine Knospe vom Zweig absteht oder an ihm anliegt, ist nicht immer eindeutig festzustellen. 
Es ist daher unbedingt notwendig, mehrere Knospen diesbezüglich zu beurteilen, gegebenenfalls auch die Knospen mehrerer Zweige. 


Knospen treten bisweilen gehäuft auf, (z.B. ist dies bei manchen Blütenknospen der Fall).

Bei einer Reihe von Arten stehen die Knospen schief über den Blattnarben. Das ist z.B. bei den Ulmen der Fall. 
Auch die Blattnarben selbst sind als Bestimmungsmerkmal geeignet. 
Form, Größe und Zahl der Blattspurstränge sind sehr unterschiedlich.

Von Beiknospen spricht man, wenn zusätzlich zur "Hauptknospe" noch eine oder mehrere, meist kleinere, Knospen vorhanden sind. Seriale Beiknospen (z.B. bei Heckenkirschen) stehen über der Hauptknospe, kollaterale (z.B. bei Forsythie) neben derselben.


 
Wichtige Merkmale an den Zweigen sind z.B.:  
  • Form der Zweige (gerade, hin und her gebogen, rund, kantig ....)
  • Farbe der Zweige
  • Durchmesser (dick, dünn)
  • Bewehrung (Stacheln, Dornen)
  • Behaarung (besonders an der Zweigspitze)
  • Form und Farbe der Lentizellen
Wichtige Merkmale im Bereich der Knospen sind z.B.:  
  • Knospentyp (geschlossen, locker beschuppt (=nicht fest geschlossen),

  • nackt (=ohne Knospenschuppen) 
  • Form (kegelförmig, rund, eiförmig, spindelförmig, spitz, stumpf, kantig ....)
  • Zahl der Knospenschuppen (scheinbar 1, bis 3, sehr viele)
  • Farbe der Knospen (einfarbig, zweifarbig, hell, dunkel, rot, grün ....)
  • Behaarung (der ganzen Knospe, der Knospenspitze, der Schuppenränder ....)
  • Größe (von sehr klein [Schlehe, Schneebeere] bis sehr groß [Roßkastanie])

Darüber hinaus gibt es sehr viele Merkmale, die im Einzelfall eine Bestimmung erleichtern oder das Erkennen leicht machen. Solche Merkmale sind:

  • Korkleisten (z.B. Pfaffenhütchen, Feldahorn, Feldulme)
  • Blütenknospen (z.B. Kornelkirsche, Ulmen, Weiden, Pappeln)
  • Blätter (z.B. Eiche, Hainbuche)
  • Früchte (z.B. Vogelbeere, Schneeball, Liguster, Schlehe, Esche, Weißdorn)
  • Fruchtstiele (z.B. Kreuzdorn, Faulbaum, Ahorn, Hartriegel, Liguster, Esche)
  • Habitus des Baumes oder Strauchs
  • Aussehen der Rinde oder Borke des Stammes (z.B. Platane, Robinie, Vogelkirsche)
  • Geruch der verletzten Rinde (z.B. Faulbaum, Steinweichsel, Traubenkirsche)
  • .....


 
Wenn es gelingt, die große Zahl der in Frage kommenden Arten (über 100) anhand von markanten Merkmalen in mehrere bis viele kleine Gruppen zu unterteilen, so lassen sich innerhalb dieser Gruppen die einzelnen Arten meist an 2 bis 3 weiteren Merkmalen unterscheiden. Welche "Hauptmerkmale" der Gruppenbildung zugrunde gelegt werden, ist Geschmackssache.

Folgende Kombinationen von "Hauptmerkmalen" eignen sich recht gut zu diesem Zweck:

  • Habitus (Baum/Strauch) + Knospenfarbe
  • Bewehrung (Dornen/Stacheln) + Knospenanordnung
  • Knospenfarbe + Knospenanordnung
  • Zweigfarbe + Habitus
  • Knospenhäufung (von 2 bis viele an Langtrieb- oder Kurztriebspitzen) + Habitus
  • .....
Mit etwas Übung lassen sich alle Gehölze an einer Kombination weniger Merkmale leicht erkennen. 
Beispiele:
  • Baum - weiße Rinde - behaarte Zweigspitzen: Moorbirke
  • Strauch - nackte Knospen - gegenständig: wolliger Schneeball
  • Baum - braune Blätter noch vorhanden - zweizeilig - Knospen anliegend: Hainbuche
  • Strauch - Dornen - Knospen schief gegenständig: Kreuzdorn

  • .....
 
Im Folgenden werden beispielhaft einige Gruppen von Gehölzen mit vergleichbaren Merkmalskombinationen vorgestellt  (die genannten Gehölzarten sind ebenfalls nur Beispiele für die jeweilige Gruppe)
 
Bäume mit ± roten Knospen z.B. Silberahorn, Spitzahorn, Apfel, Winterlinde
Bäume mit gehäuften Knospen z.B. Vogelkirsche, Eichen, Silberahorn
Sträucher mit gehäuften Knospen z.B. Schlehe, Gemeine Heckenkirsche, Forsythie
Bäume mit ± grünen Knospen z.B. Bergahorn, Speierling, Eschenahorn, Winterlinde
Sträucher mit ± grünen Knospen z.B. Pimpernuß, Hasel, Blasenstrauch, Flieder
Sträucher mit bewehrten Zweigen z.B. Berberitze, Weißdorn, Schlehe, Kreuzdorn, Rose, Sanddorn, Ölweide, Erbsenstrauch
Bäume mit bewehrten Zweigen  z.B. Robinie, Birne, Apfel, Mispel
Gehölze mit sehr dunklen Knospen z.B. Kreuzdorn, Eberesche, Bergulme, Grünerle, Gemeine Esche
Gehölze mit sehr spitzen, schlanken Knospen z.B. Breitblättriger Spindelstrauch, Zitterpappel, Flatterulme, Rotbuche
Gehölze mit auffallenden Rinden- oder Zweigmerkmalen (ohne Dornen / Stacheln) z.B. Pfaffenhütchen, Feldulme, Erbsenstrauch, Berberitze, Faulbaum, warziger Spindelstrauch, roter Hartriegel
Früchte, die bis in den Winter erhalten bleiben Robinie, Blasenstrauch, Gemeiner Schneeball, Liguster, 
Gemeine Waldrebe
 
Die Gattungs- und Artbestimmung von Gehölzen im Winterzustand erfolgt normalerweise mit Hilfe eines Bestimmungsschlüssels. 
Klassische dichotome Schlüssel ermöglichen meist auch das Bestimmen von "untypischem" Material. 
"Typisch" ausgebildetes Material (z.B. von der dem Licht zugewandten Seite eines "normal" wachsenden Gehölzes) läßt sich oft schneller mit Hilfe von tabellarischen Bestimmungsschlüsseln bestimmen. 

Wir bieten beide Möglichkeiten an. Wählen Sie: Dichotomer Schlüssel  oder  Tabellen 


zurück zu Dendrologische Übungen