Fichte - Picea abies
Rotfäule
T: Heterobasidion annosum (Fr.) Bref. 
(= Fomes annosus (Fr.) P.Karst.) 
A: Spiniger meineckellus (A.J.Olson) Stalpers

 
Die „Rotfäule“ verursacht erhebliche wirtschaftliche Verluste.
Heterobsidion annosum befällt neben der Fichte auch Kiefern, Lärchen, Tannen und die Douglasie. An Laubgehölzen, die ebenfalls zum breitenWirtsspektrum gehören, ist der Pilz von untergeordneter Bedeutung. 


 
Ausgangspunkt der Infektion sind Basidiosporen und Konidien, die mit dem Regen in den Boden eingewaschen werden und bei Kontakt mit Wurzeln auskeimen. Vor allem verletzte und geschwächte Wurzeln, aber auch unverletzte, dünnrindige Wurzeln werden infiziert. Bei der Fichte sterben die Wurzeln zwar nicht ab, der Pilz breitet sich aber im Reifholz der Wurzeln aus, gelangt in den Stamm und verursacht dort eine ± ausgedehnte Weißfäule, die sich im Extremfall bis in den Kronenbereich erstrecken kann.
In der Regel ist die Existenz der Fichte nicht direkt bedroht, allerdings ist die Windbruchgefahr erhöht. Bei der Kiefer ist der Krankheitsverlauf abweichend von dem bei der Fichte. Hier sterben die Wurzeln ab, der Pilz verursacht eher eine Stockfäule und dringt im Stamm nicht weit vor. Kiefern sind durch Heterobasidion-Befall in ihrer Existenz bedroht. 
Stammwunden spielen für die Infektion keine bedeutende Rolle. Ein wichtiger Infektionsweg ist der über Wurzelverwachsungen, durch die der Pilz von befallenen in gesunde Wirte eindringen kann. In diesem Zusammenhang sind Stubbenoberflächen von großer Bedeutung. Dies ist besonders bei Erstdurchforstungen auf bis dahin befallsfreien Standorten, z.B. bei Ackeraufforstungen, der Fall. Auf frischen Stubbenoberflächen keimen die Sporen und der Pilz dringt nach unten bis in die Wurzeln vor, von wo aus er durch Wurzelverwachsungen gesunde Wirte befallen kann.
Die braunen, auf der Unterseite weißen Fruchtkörper findet man am Stammfuß (links) und an den von Streu bedeckten Wurzeln (rechts). 
Auch an Stammabschnitten, die im Wald verbleiben, werden Fruchtkörper gebildet (rechts), dazu die mit bloßem Auge nicht wahrnehmbare, Konidien bildende Nebenfruchtform (links).
Man unterscheidet derzeit 3 verschiedene Intersterilitätsgruppen von Heterobsidion annosum. Die Gruppe P (pine) hat allem Anschein nach das größte Wirtsspektrum und befällt außer der Kiefer auch andere Koniferen (z.B. Fichte, Lärche, Douglasie); die Gruppe S (spruce) befällt in erster Linie die Fichte, aber auch junge Kiefern; die Gruppe F (fir) ist allem Anschein nach auf die Tanne spezialisiert. Konsequenterweise sind für die drei Intersterilitätsgruppen neue Namen in der Diskussion, nämlich: 
Heterobasidion annosum (Fr.) Bref. für die Gruppe P, Heterobasidion parviporum Niemelä & Korhonen für die Gruppe S und Heterobasidion abietinum Niemelä & Korhonen für die Gruppe F.
Eine Bekämpfung der Rotfäule ist sehr schwierig. Prophylaktische und auf lange Frist wirkende Maßnahmen sind jedoch möglich. Zu ihnen zählen: das Einbringen von Laubholz (besonders bei der Anwesenheit der Intersterilitätsgruppe P) und Stubbenbehandlungen mit Natriumnitrit, Harnstoff oder Borax.
Bei Kiefern hat sich das Aufbringen von (käuflichen) Sporensuspensionen von Phlebiopsis gigantea(Fr.) Jülich unmittelbar nach der Fällung auf die frischen Stubben bewährt. Der Sporensuspension wird mit einem Farbstoff versetzt, damit besser kontrolliert werden kann, ob die Schnittflächen vollständig mit Sporensuspension bedeckt sind.
Besonders angebracht sind Stubbenbehandlungen bei Erstdurchforstungen in bis dahin nicht oder nur schwach befallenen Beständen.

Literaturauswahl: 
- Holdenrieder, O., 1989: Heterobasidion annosum und Armillaria mellea s.l.: Aktuelle Forschungsansätze zu zwei alten forstpathologischen Problemen. Schweiz. Z. Forstwes. 12, 1055-1067
- Delatour, C., 1972: Le Fomes annosus. Revue forestière francaise 24, 21-38
- Woodward, S.; Stenlid, J.; Karjalainen, R.; Hüttermann, A. (eds.), 1998: Heterobasidion annosum, Biology, Ecology, Impact and Control. CAB International, 589 Seiten

zurück zu Fichte zurück zu "Krankheiten in Wort und Bild" 
lang@bot.forst.uni-muenchen.de 2.8.99