Eiche - Quercus spp.
oak decline - Eichensterben, Eichensiechtum
Phytophthora quercina  T. Jung 
Phytophthora citricola Sawada 
Phytophthora cambivora (Petri) Buisman
Seit einer Reihe von Jahren grassiert in weiten Teilen Europas eine Eichenkrankheit, die als Eichensterben oder oak decline bezeichnet wird. Die Krankheit hat einen mehrjährigen Verlauf und endet in sehr vielen Fällen mit dem raschen oder langsamen Tode des Baumes. 
Die Literatur nennt viele sehr unterschiedliche potentielle Ursachen des Krankheitskomplexes. 
Die Ergebnisse intensiver Untersuchungen vermitteln inzwischen ein sehr genaues Bild über die Primärursache der Krankheit und die sie zusätzlich (bisweilen sogar entscheidend) beeinflussenden Faktoren.
 
Die oberirdischen Symptome der Krankheit bestehen in schütterer Belaubung, der Vergilbung von Blättern (nur auf Kalkstandorten) [Blattadern bleiben grün!], dem Absterben von Zweigen und Ästen, dem partiellen Absterben der Rinde und dadurch ausgelöstem Schleimfluß.
Die Kambiumnekrosen sind oft nur eindeutig nachzuweisen, wenn die Rinde entfernt wird (links), 
Schleimfluß ist bisweilen auf den ersten Blick nur schwer festzustellen (rechts).

 
Die unterirdischen Symptome der Krankheit sind hauptsächlich durch den stark verminderten Feinwurzelanteil im gesamten Wurzelwerk gekennzeichnet. Ein großer Teil der Feinwurzeln (und damit auch der Mykorrhizen) ist abgestorben und steht für Wasser- und Nährstoffaufnahme nicht mehr zur Verfügung.
Wurzeln einer gesunden Eiche Wurzeln einer kranken Eiche Beispiele für gesunde Feinwurzeln (links) und weitgehend zerstörte Feinwurzeln (rechts).

 
Darüber hinaus treten an den dickeren Wurzeln krebsartige Wurzelwunden auf. 

 
Auf anatomischen Präparaten aus erkrankten Wurzeln findet man sehr oft verthyllte Gefäße. Dieses Symptom ist zwar nicht spezifisch, da Thyllen auch in gesunden Bäumen im Zuge der Verkernung gebildet werden, sie können jedoch auf abiotisch oder biotisch bedingte Störungen hinweisen, da sie auch als Abwehrreaktion des Baumes zu verstehen sind. 
Lignituberbildung und Einlagerung von Phenolen (Rotfärbung) deuten darauf hin, daß Mikroorganismen die lebenden Wurzeln zu besiedeln (infizieren) versuchen und möglicherweise für das Absterben der Wurzeln eine Rolle spielen. Lignituber werden speziell als Abwehrreaktion der Zellen gegen Angriffe durch Pilze gedeutet. Die Pflanze versucht so, den Pilzhyphen mechanisch das Eindringen in Zellen und deren Besiedlung zu erschweren, im Idealfall auch unmöglich zu machen.
Weitere anatomische Befunde aus symptomatischen Feinwurzeln, speziell die Oosporen und das unseptierte, koralloide Myzel in den Zellen, deuten auf Phytophthora-Arten als pathogene Mikroorganismen hin. 


 

Für das Vorkommen bodenbürtiger Phytophthora-Arten ist der Standort, besonders Textur und pH-Wert des Bodens, entscheidend. So ist bei pH-Werten über 4,0 (in schweren Böden sogar 3,5, in CaCl2) stets mit Phytophthora zu rechnen.
Geeignete Nachweismethoden haben es ermöglicht, das die Feinwurzelzerstörung auslösende Primärpathogen nachzuweisen. Es handelt sich um eine bis dahin nicht beschriebene Phytophthora-Art, die jetzt den Namen Phytophthora quercina T.Jung trägt. 
(Auch P. citricola und P. cambivora sind ursächlich an der Zerstörung der Feinwurzeln beteiligt)
Papillates unspezifisches 
Sporangium 
von P. quercina
Bei Phytophthora-Arten werden Sporangien (oben links und rechts) gebildet,  Papillates spezifisches Sporangium 
von P. quercina
aus denen bei geeigneten Bedingungen (hohe Feuchtigkeit im Boden) bewegliche Zoosporen entlassen werden (links als Beispiel bei P. cambivora). 
Ungünstig Bedingungen werden u.a. durch Chlamydosporen und generativ entstandenen Oosporen (rechts) überbrückt.
Nicht papillate Sporangien 
sowie Zoosporen 
von P. cambivora
 
Typisches ovales Oogonium 
mit paragynem Antheridium 
von P. quercina

 
Die Pathogenität von Phytophthora quercina ließ sich im Infektionsversuch an jungen Eichen (hier Quercus ilex) nachweisen. 
Die nicht infizierten Kontrollpflanzen blieben gesund (links), viele der infizierten Pflanzen starben ab (rechts).
Der Vergleich zwischen dem Feinwurzelbereich von Kontrollpflanzen (links) und dem von infizierten Pflanzen (rechts) zeigt deutlich, daß Phytophthora quercina Feinwurzeln in erheblichem Umfang zerstören kann.
Begleitende Faktoren Beschreibung des 
potentiellen 
Krankheitsablaufs

Literaturauswahl:
- Jung, T.; Blaschke, H.; Oßwald, W., 2000: Involvement of Phytophthora species in Central European oak decline and the influence of site factors on the disease. Plant Pathology (im Druck)
- Jung, T.; Cooke, D.E.L.; Blaschke, H.; Duncan, J.M.; Oßwald, W., 1999: Phytophthora quercina sp. nov., causing root rot of European oaks. Mycol. Res. 103, 785-798
- Hansen, E.; Delatour, C., 1999: Phytophthora species in oak forests of north-east France. Ann. For. Sci. 56, 539-547
- Jung, T., 1998: Die Phytophthora-Erkrankung der europäischen Eichenarten, wurzelzerstörende Pilze als Ursache des Eichensterbens.
Diss. Forstw. Fak. LMU-München; LINCOM Studien zur Forstwissenschaft 02, 138 S.
- Hartmann, G.; Blank, R., 1998: Aktuelles Eichensterben in Niedersachsen- Ursachen und Gegenmaßnahmen. 
Forst und Holz 53, 733-735
- Jung, T.; Blaschke, H.; Lang, K.J.; Oßwald, W., 1996: Phytophthora-Wurzelfäule der Stiel- und Traubeneiche. 
AFZ/Der Wald 26, 1470-1474
- Blaschke, H., 1994: Veränderungen durch Pilzbefall an Wurzeln geschädigter Stieleichen. AFZ 14/1994, S.775-777
- Blaschke, H., 1994: Decline symptoms on roots of Quercus robur. Eur.J.For.Path. 24, 386-398
- Hartmann, G,; Blank, R.; Lewark, S., 1989: Eichensterben in Norddeutschland -Verbreitung, Schadbilder, mögliche Ursachen. 
Forst und Holz 44, 475-487
- BOKU-Seminar Eichensterben: Österreichische Forstzeitung März 3/1987
- Delatour, C., 1983: Les dépérissements de chênes en Europe. Rev. For. Fr. 35, 265-282
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