| Eiche - Quercus spp.
oak decline - Eichensterben,
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Begleitende Faktoren
- Standort - Trockenheit - Insektenfraß - Agrilus-Befall - Mehltau - Hallimasch |
| In der Literatur über das Eichensterben wurden immer wieder unterschiedliche
Faktoren einzeln oder in Kombination zur Erklärung der Krankheit herangezogen.
In der Regel waren diese Erklärungsversuche aber nicht voll befriedigend. |
| Sie lassen sich allerdings recht problemlos in das Gesamtbild der Krankheit
einordnen, wenn man von 2 Annahmen ausgeht:
1. Ein einzelnes Pathogen oder eine kleine Gruppe von Pathogenen (Phytophthora-Arten) kann (unter noch nicht in allen Einzelheiten bekannten Bedingungen) einen großen Teil der Feinwurzeln des Wirtes zerstören; 2. Der Wirt kann (im Normalfall) den Feinwurzelverlust durch Neubildung (Regeneration) ausgleichen. |
| Verlauf und Ausgang der Krankheit hängen nun davon ab, in welchem Umfang Feinwurzeln zerstört werden, in welchem Umfang und wie rasch die Wurzelregeneration gelingt und welche Faktoren zu welchem (evtl. kritischen) Zeitpunkt einwirken. |
| Einige wenige denkbare Szenarien sollen helfen,
die komplexen Zusammenhänge zu verstehen: (die "angenommenen Situationen" sind notgedrungen grob vereinfacht. Die Begriffe Wasser, Trockenheit, Insektenfraß, Regeneration ... sind quantitativ zu verstehen, die "möglichen Folgen" sind entsprechend modifizierbar.) |
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| angenommene Situation: | mögliche Folgen:
J K L |
| - "völlige" Zerstörung der Feinwurzeln + Wasser | L |
| - teilweise Zerstörung von Feinwurzeln + Wasser
- teilweise Zerstörung von Feinwurzeln + Trockenheit - teilweise Zerstörung von Feinwurzeln è Regeneration + Wasser - teilweise Zerstörung von Feinwurzeln è Regeneration + Trockenheit - teilweise Zerstörung von Feinwurzeln + Insektenfraß è - teilweise Zerstörung von Feinwurzeln + Insektenfraß è |
K J
K L K J J K J K K K J K K L |
| - "keine" Zerstörung der Feinwurzeln + Trockenheit | J K |
| Der "Standort" kann eine modifizierende, ggf. auch entscheidende Rolle spielen. Dabei könnten pH-Wert und Wasserkapazität wichtige Einflußfaktoren sein indem der pH-Wert z.B. die Zoosporenbildung von Phytophthora quercina stark beeinflußt und freies Wasser für die Ausbreitung der Zoosporen unerläßlich ist. Dabei scheint der auch bodenbedingte Wechsel zwischen Trockenheit und Nässe Phytophthora sp. besonders zu begünstigen. |
| Trockenheit wirkt sich also z.B. dann gravierend aus, wenn die Wasseraufnahme
wegen reduzierter Feinwurzelmasse erschwert ist und eine Feinwurzelregeneration
wegen Energiemangel als Folge von Insektenfraß (z.B. Eichenwickler
, Schwammspinner
) nicht oder nur mangelhaft stattgefunden hat.
Auf Standorten, die die Feinwurzelzerstörung durch Phytophthora besonders begünstigen (z.B. wechselfeuchte Böden mit pH-Werten >5), kann schon ein einmaliger zusätzlicher Kahlfraß zu hoher Mortalität führen. |
| Agrilus biguttatus, der Eichen-Prachtkäfer kann als wichtiger Sekundärschädling geschwächte (=disponierte) Individuen befallen und zusätzlich erheblich schädigen, ggf. zum Absterben bringen. |
| Eine vergleichbare Rolle ist für den Hallimasch (Armillaria mellea s.str.) vorstellbar. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß der an abgestorbenen Eichen oft anzutreffende Hallimasch als Saprophyt nur das vorhandene Substrat nutzt. |
| Eine negative Beeinflussung der Energiegewinnung bei gleichzeitiger
Erhöhung der Transpiration ist durch Mehltau
befall vorstellbar, besonders nach Insektenfraß bei verstärkter
Johannistriebbildung.
Dabei ist mehrjähriger Befall natürlich gravierender als ein einmaliges Auftreten. |
| Zum Schluß ist darauf hinzuweisen, daß die Begriffe "Eichensterben"
oder "oak decline" unspezifisch sind.
Sie lassen keine Rückschlüsse auf die Ursache(n) des Geschehens zu. Es ist davon auszugehen, daß auch andere als die hier genannten Faktoren in das komplexe Geschehen eingreifen können und es ist davon auszugehen, daß das Zusammentreffen mehrerer ungünstiger Faktoren auch ohne die Beteiligung von Primärpathogenen (z.B. Phytophthora sp.) zu ernsten Problemen führen kann. Als Konsequenz daraus unterscheidet man in der neueren Literatur je nach Hauptursache zwischen "Phytophthora mediated", "drought mediated", "defoliation mediated" ...... oak declines. |
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| lang@bot.forst.tu-muenchen.de | 30.3.2001 |